Ein Abend mit Perspektive: BDG feiert Design und Zukunft

Haltung, Wissen, Netzwerk – das sind die zentralen Stichworte, um die sich die Gestaltung in Zukunft zu kümmern hat. Der Claim des BDG ist ein überaus brauchbarer Kompass bei der Frage nach der zukünftigen Rolle von Design. Das zeigte die Festveranstaltung zum 100-jährigen Jubiläum des BDG nur allzu deutlich. Mehr als 150 Gäste erlebten mit der Abendkonferenz und einer großen Party einen abwechslungsreichen Abend voller inspirierender Gäste, Gedanken und Glückwünsche.

»Design kriegen wir ja nicht mehr weg«, meinte Designphilosophin Mara Recklies. Welch aussichtsreiche Perspektive für einen Beruf, der seinen 100. Geburtstag feiert. Doch wie gestaltet Design die Zukunft und wie gestalten Designerinnen und Designer in Zukunft?
»Design is about the betterment of our lives – poetically, aesthetically, experientially, sensorially, and emotionally« Mit diesem Zitat des US-amerikanischen Designers Karim Rashid beendete der kulturpolitische Sprecher von Bündnis 90 / die Grünen, Erhard Grundl, sein Grußwort, in dem er dezidiert auf Subtexte eingegangen war, die sich beim Framing in Werbung und politischer Sprache verbergen können. Boris Kochan, Präsident des deutschen Designtags, nutzte in seinem Grußwort die Gelegenheit, die Einrichtung eines Peter-Behrens-Instituts für designwissenschaftliche, interdisziplinäre Forschung und praktische Anwendung zu fordern.

»Design kriegen wir ja nicht mehr weg« – Mara Recklies

Die Zeit ist reif dafür, denn wir leben in einer Zeitenwende, die Gestaltung braucht, um Vorstellungen von der Zukunft zu entwickeln. Auf diese Verantwortung von Design und zugleich seine hervorragende Perspektive wies der ehemalige Chairman des europäischen Designverbandes BEDA, Michael Hardt, in seiner Keynote hin.

Bei aller Festlichkeit ging es wenig zimperlich und erfrischend selbstkritisch zu. Martina Merz, Strategin für nachhaltiges Design, führte gemeinsam mit Boris Kochan durch die anregenden und teils kontroversen Runden.
Weitgehend einig waren sich Klaus Staeck, Götz Gramlich, Mara Recklies, Boris Kochan und Martina Merz in dem ersten Podiumsgespräch über die besondere Verantwortung und die herausragende Rolle von Design bei der Gestaltung der Zukunft.
Der Initiator des Plakatwettbewerbs »Mut zur Wut«, Götz Gramlich, und der politsatirische Plakatkünstler Klaus Staeck sensibilisieren für eine gesellschaftliche Verantwortung in Zeiten stumpfer werdenden Gefahrenbewusstseins gegenüber einer verletzlichen Demokratie. Viel grundsätzlicher noch thematisierte Philosophin und Designkritkerin Mara Recklies die Verantwortung von Design: »Design gestaltet Konsumenten und entwirft Bedürfnisse.« Vor diesem Hintergrund stellt sich dann die Frage, ob »gutes Design eigentlich gut für die Gesellschaft ist.«

Keine Arbeit mit Arschlöchern, sich mit Leuten umgeben, die mehr wissen und können, der Arbeit mit den Händen gehört die Zukunft – gut gelaunt und schlagfertig leitete Erik Spiekermann mit dem Destillat seiner beruflichen Erfahrungen zu zweiten Gesprächsrunde über.

»Keine Arbeit mit Arschlöchern« – Erik Spiekermann

Dort entfalteten die Teilnehmerinnen Andrea Augsten, Ingrid Stahl, Regina Hanke und Claudia Siebenweiber ein breites Spektrum zukünftiger Möglichkeiten, Perspektiven und Herausforderungen für Gestalterinnen und Gestalter. Arbeitsmodelle werden fluider, es geht raus aus dem Elfenbeinturm, rein in Unternehmen, Interdisziplinarität und Netzwerke werden überragende Bedeutung gewinnen.

Regina Hanke weist darauf hin, dass Laut dem world economic forum bis zum Jahr 2022 bis zu 20 Prozent der Arbeit von KI / AI erledigt wird; die Branche wird sich überlegen müssen, ob sie sich adaptiert oder ob sie diese Entwicklung prägen will. Die Stellschrauben für das Gestalten in Zukunft sind aber auch der Mut zu klarer Haltung und selbstbewusstem Auftreten. »Wir sollen die Welt verändern, die Gesellschaft, die Wirtschaft retten, aber Geld gibt es dafür nicht. Der BDG hat sich von Anfang an dem Thema gewidmet, dass man auch von seiner Arbeit leben kann. Wenn sich der Designer selbst auch als Unternehmer versteht, erspart uns das als Berufsverband eine Menge Arbeit!« schloss BDG-Präsidentin Claudia Siebenweiber mit einem Lächeln.

»Wir sollen die Welt verändern, die Gesellschaft, die Wirtschaft retten, aber Geld gibt es dafür nicht.« – Claudia Siebenweiber

Zum Abschluss läutete Henning Krause, ehemaliger BDG-Präsident, den Spaß am Gestalten ein, der allen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen trotzt, auch an diesem Abend: Bei der anschließenden Party feierten alle Beteiligten sich, die Branche und die Zukunft.

Die Zeitmaschine zurück in die Vergangenheit, zum Geburtstagsabend unter dem Motto »Zukunft. Design!« und zu den Podiumsdiskussionen in voller Länge startet bald auf dem BDG-Vimeokanal.
Nach vorne schauen wir weiterhin gemeinsam und sind uns sicher, dass Designerinnen und Design eine perspektivreiche Zukunft haben!

Fotos: Norman Posselt

> Zur Jubiläumsankündigung mit dem Abendprogramm und Vorstellung aller Gäste

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