»Still, stark und unfassbar gut« – Susanne Breitfeld über die Perlen beim Joseph Binder Award

Zum sechsten Mal in der Jury des Joseph Binder Awards: Susanne Breitfeld

Der Joseph Binder Award ist einer der renommiertesten internationalen Designwettbewerbe aus dem deutschsprachigen Raum für den Bereich Grafikdesign und Illustration. Er wird seit 1996 von designaustria durchgeführt und BDG-Präsidiumsmitglied Susanne Breitfeld vertritt den BDG dieses Jahr zum sechsten Mal in der Jury. Entsprechend viele Einreichungen hat sie in dieser Zeit gesehen.

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Liebe Susanne, wie lange brauchst Du für die Entscheidung »hop oder top«?

Manchmal Sekunden 🙂
Manchmal erkennt man die Perlen direkt auf den ersten Blick. Manchmal wird einem erst in der tieferen Auseinandersetzung mit den Arbeiten wirklich klar, welches Juwel man vor sich hat. Und dann kämpft man auch schon mal für eine Arbeit, um sie in die nächste Runde zu kriegen.

Aber grundsätzlich ist auch die Juryarbeit immer ein Prozess, der in mehreren Auswahletappen abläuft. Wir reduzieren immer weiter, bis wir die finale Auswahl für alle im Team stimmig auf dem Tisch liegen haben. Wir machen uns das echt nicht leicht, weil wir allen gerecht werden wollen. Aber ich kann es nicht leugnen. Durch die langjährige Arbeit in verschiedensten Designjurys hat man inzwischen Routine, sodass der Prozess bei mir persönlich auch deutlich schneller abläuft als früher.

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Welche Kriterien spielen bei der Jurierung eine Rolle? Gibt es Vorgaben von designaustria, stimmt die Jury einen gemeinsamen Katalog ab oder wendet jedes Jurymitglied individuelle Kriterien an?
Es gibt keine strikten Beurteilungskriterien. Aber wir orientieren uns an der Kernaussage von Namensgeber Joseph Binder: »Im Design hat alles eine Funktion. Design hat die Funktion der Darstellung. Design hat die Funktion der Kommunikation. Design hat die Funktion der Motivierung.« Das sagt doch alles, oder?

Kategorie Verpackungsdesign: Beratung des Jury-Teams 2018

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Es gibt eine Online- und eine Präsenz-Jury. Wie sehr verändert sich die Arbeit der Jury, wenn andere Jurymitglieder vor Ort sind oder eben nicht?
Wählt man online aus, sitzt man da mit seinem Bildschirm, seinem eigenen Blick und seinem Erfahrungsschatz. Egal wie reichhaltig der ist, wenn Kolleginnen und Kollegen dabei sind, dann wird er reichhaltiger.
Es passiert dann, was immer passiert, wenn Menschen gemeinsam etwas tun: Es entsteht Austausch. Das Wissen und somit die gesamte Entscheidungsbasis potenziert sich.
Ich würde immer die Präsenzjury der Online-Jury vorziehen. Ich bin überzeugt, dass dabei bessere Ergebnisse herauskommen. Allerdings ist es auch klar, dass die große Anzahl der Einreichungen inzwischen kaum mehr vor Ort bewältigt werden kann. Insofern macht es auf jeden Fall Sinn, die erste Auswahlrunde online durchzuführen.

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Gibt es eine oder mehrere Lieblingseinreichungen der vergangenen Wettbewerbe, an die du dich besonders gerne erinnerst?
Aber klar, es bleibt immer etwas 🙂 Mal schauen, ob ich die Namen noch zuammenkriege. Die Bilder sind natürlich unlöschbar verankert. Ok, ich hab mal nachgeschaut. … also meine drei Highlights:

Im ersten Jahr 2010 ein super sensibles, eigentlich analoges und dadurch unkonventionelles Corporate Design für »verdarium«, das auch die Gold-Medallie in dieser Kategorie gewann.

In 2012 wurde meine Liebe zu funktionalen, ästhetischen und pädagogisch wertvollen Infografiken voll bedient. 

Und letztes Mal fegte uns alle das Plakat des technischen Museums Wien vom Platz. Das so still und stark und unfassbar gut, die nicht vorhandene Wahrnehmung der Physikerin Lise Meitner in der Öffentlichkeit visualisierte.

Vielen Dank, Susanne! Und viel Vergnügen an lauten und leisen, ernsten und vergnüglichen, vor allem aber großartigen Einreichungen beim diesjährigen Joseph Binder Award.

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Einreichungsfrist ist in diesem Jahr der 17. April 2020, der Early Bird endet am 29. Februar. BDG-Mitglieder erhalten 10 Prozent  Rabatt auf die Teilnahmegebühr.

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